Radonkur — Wirkung und Anwendungsgebiete

12 Min. Lesezeit · Veröffentlicht am 15. Juli 2026

Was ist eine Radonkur?

Radon ist ein natürlich vorkommendes, radioaktives Edelgas, das in kontrollierten niedrigen Dosen therapeutisch eingesetzt wird. Bei einer Radonkur werden Patienten dem Gas gezielt ausgesetzt — in Radon-Wannenbädern, Heilstollen (Speleotherapie) oder Dunstbädern. Die Therapie hat eine über 100-jährige Tradition: Bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts nutzen Kurorte wie Jáchymov in Tschechien und Bad Gastein in Österreich die schmerzlindernde Wirkung des Radons. Heute wird die Radon-Balneotherapie in Mitteleuropa und Teilen Asiens als anerkannte Ergänzung bei chronischen Erkrankungen des Bewegungsapparates eingesetzt.

Wie wirkt Radon im Körper? — Wissenschaftliche Erkenntnisse

Radon wird bei Wannenbädern hauptsächlich über die Haut aufgenommen (die Strahlendosis liegt bei nur 0,2–0,5 mSv pro Behandlung). Die niedrigdosierte Alphastrahlung löst im Körper eine sogenannte adaptive Zellreaktion aus — vergleichbar mit einem Trainingseffekt für das Immunsystem. Konkret sind mehrere Wirkmechanismen wissenschaftlich beschrieben: Antioxidativer Effekt: Radon steigert die Aktivität des Enzyms Superoxiddismutase (SOD), das freie Radikale neutralisiert und so oxidativen Stress reduziert. Entzündungshemmung: Über den Nrf2-Signalweg wird die Produktion proinflammatorischer Botenstoffe (z. B. TNF-α, NF-κB) gedrosselt. Gleichzeitig steigt der entzündungshemmende Botenstoff TGF-β1, der eine zentrale Rolle bei der Gewebereparatur spielt. Immunmodulation: Studien zeigen eine Zunahme regulatorischer T-Zellen (Treg), die überschießende Immunreaktionen — typisch bei Rheuma und Autoimmunerkrankungen — regulieren. Aktivierungsmarker auf Monozyten und T-Helferzellen (z. B. CD69) nehmen nach der Therapie ab. Schmerzlinderung: Radon hat strukturelle Ähnlichkeit mit dem Narkosegas Xenon und kann NMDA-Rezeptoren beeinflussen, die an der Schmerzweiterleitung beteiligt sind. Zudem wurden nach Radon-Anwendungen endorphinähnliche, körpereigene Schmerzstiller nachgewiesen.

Was sagen die Studien? — Klinische Evidenz

Die bislang größte klinische Studie zur Radontherapie ist die IMuRa-Studie (International Multicentre Randomised Trial), die 2012 mit 681 Patienten in 7 Kurzentren in Deutschland und Österreich durchgeführt wurde. Die Teilnehmer litten an chronischen Rückenschmerzen, Arthrose, rheumatoider Arthritis oder Morbus Bechterew. Ergebnis: Die mit Radon behandelte Gruppe zeigte eine signifikant stärkere Schmerzlinderung (p = 0,032) und konnte den Schmerzmittelverbrauch deutlich senken (p = 0,007) — und das bis zu 9 Monate nach Ende der Behandlung. Eine Meta-Analyse von Falkenbach et al. mit 338 Patienten aus 5 randomisierten Studien bestätigte: Radontherapie zeigt ihre Überlegenheit gegenüber Kontrollbehandlungen vor allem im mittel- und langfristigen Verlauf (3–6 Monate nach Therapie), nicht unmittelbar danach. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) stuft das Strahlenrisiko von Radon-Wannenbädern als gering ein, da die Aufnahme über die Haut (nicht über die Lunge) erfolgt und die Exposition zeitlich stark begrenzt ist.

Bei welchen Erkrankungen hilft eine Radonkur?

Die Radonkur hat ein breites Anwendungsspektrum. Zu den wissenschaftlich untersuchten Indikationen gehören: Entzündlich-rheumatische Erkrankungen: rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew (ankylosierende Spondylitis), Psoriasis-Arthritis. Degenerative Erkrankungen: Arthrose (Knie, Hüfte, Wirbelsäule, Schulter), chronische Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfälle, Osteoporose. Weichteilrheumatismus: Fibromyalgie, Myalgie, Tendopathien. Hauterkrankungen: Psoriasis (Schuppenflechte), Neurodermitis (atopische Dermatitis), chronische Ekzeme. Atemwegserkrankungen: rezidivierende Bronchitiden, Asthma bronchiale. Weitere: Fatigue-Syndrom (chronische Erschöpfung), Zustände nach orthopädischen Operationen, chronische Schmerzsyndrome. Kontraindikationen: Schwangerschaft, schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schilddrüsenüberfunktion, akute Infekte und bestimmte Krebserkrankungen. Ihr Kurarzt klärt dies bei der Eingangsuntersuchung.

Die besten Kurorte für Radonkuren

Jáchymov (St. Joachimsthal) in Tschechien ist der weltweit erste Radon-Kurort (seit 1906) und verfügt über eine der höchsten natürlichen Radon-Konzentrationen in Europa. Die Kurhotels nutzen das radonhaltige Thermalwasser direkt aus den eigenen Quellen. Die Stadt liegt im Erzgebirge, rund 150 km von Dresden entfernt. Bad Flinsberg (Świeradów-Zdrój) im polnischen Isergebirge verbindet Radon-Therapie mit dem heilsamen Reizklima der Berge und liegt nur 60 km von Görlitz entfernt. Beide Kurorte sind von Deutschland aus bequem mit dem Booksana-Haustürtransfer erreichbar — Abholung direkt an Ihrer Haustür, Hin- und Rückfahrt inklusive.

Ablauf und Dauer einer Radonkur

Für eine wirksame Radonkur empfehlen Ärzte mindestens 14 Nächte, idealerweise 21 Tage oder länger — je länger der Aufenthalt, desto nachhaltiger die Wirkung (die IMuRa-Studie zeigt Effekte bis zu 9 Monate). Ein typischer Behandlungsplan umfasst 8 bis 12 Radon-Wannenbäder (jeweils ca. 20 Minuten bei 34–36 °C Wassertemperatur), ergänzt durch Physiotherapie, Massagen, Moorpackungen und ärztliche Betreuung. Der Kurarzt erstellt nach der Eingangsuntersuchung einen individuellen Therapieplan, abgestimmt auf Ihre Diagnose und Ihren Gesundheitszustand. Die Kurpakete bei Booksana beinhalten Unterkunft, Verpflegung und das vollständige Behandlungsprogramm — auch kürzere Aufenthalte ab 6 Nächten sind buchbar. Eine regelmäßige Wiederholung der Radonkur (ein- bis zweimal pro Jahr) kann den langfristigen Therapieerfolg stabilisieren.


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